So, jetzt bin ich endlich mal dazu gekommen mal wieder was zu schreiben. Sind ja doch einige Tage vergangen seit dem letzten Mal und dementsprechend gibt’s auch Einiges zu berichten
Ich fang am Besten von vorne an, nämlich Halloween. Gleich vorweg: Furchtbar! Die feiern das hier halt wirklich auch nach Ami-Manier, alle verkleiden sich so, wie sie gerade lustig sind und mit Halloween, wie wir es in Deutschland kennen, hat das hier wenig zu tun. Erinnert echt eher an Fasching. Für die Kinder natürlich eine riesen Gaudi. Man tarnt die ganze Feierei übrigens auch gerne, indem man den 31. auch als „día de los niños“ bezeichnet, um so Aktivitäten mit den Kindern in den Schulen machen zu können. An sich eine tolle Sache und erheblich sinnvoller als der ganze Halloween Rest.
Auch bei uns im Colegio wurde dieser Tag gefeiert. Alle Lehrerinnen haben sich verkleidet und mit ihren Klassen eine kleine Präsentation vorbereitet. Natürlich wurden auch wir mit eingeplant und so hat man irgendwann beschlossen, wir sollen doch bitte mit zwei weiteren Lehrerinnen eine Zaubershow auf die Beine stellen. Hat uns im ersten Moment schon etwas überfordert, da wir weder super Tricks auf Lager haben, noch Lust hatten uns welche anzueignen. Schließlich hat man uns Tricks vorgeschlagen, was uns jedoch erst mal seeeehr ins Zweifeln gebracht hat. Die waren nämlich so billig (unter anderem ein selbstgebastelter Hut mit deutlich sichtbarem doppeltem Boden, aus dem Laura dann magischerweise siffige Stofftiere gezogen hat), dass wir uns sicher waren, dass das Ganze der größte Reinfall wird, vor allem bei den Kindern ab der 3. Klasse… Zu unserer Überraschung mussten wir allerdings feststellen, dass alle Kinder jeder Altersstufe absolut fasziniert waren. Das hat uns mal wieder klar gemacht, wie einfach diese Kinder doch zu begeistern sind, weil sie so was einfach nie zu sehen bekommen. Hätte in Deutschland mit diesen Tricks niemals funktioniert!

Beim Basteln für die Zaubershow


Am Abend haben wir uns dann Richtung Norden aufgemacht, um Dani zu besuchen. Plan war bei ihr zu übernachten und am Abend noch bisschen raus zu gehen.
Die Taxifahrt zu ihrer Wohnung war auch mehr als amüsant. Feststellung 1 des Taxifahrers: ” Na es gibt doch zwei Deutschlands!“ Schlossfolgerung und Festellung 2: „Angela Merkel kommt aus dem Osten, ist Kommunistin und weil sie doch Bundeskanzlerin ist, muss Deutschland kommunistisch sein!“ Netter Mann, wirklich
Wir sind dann mit der Dani erst mal eine richtig gute Pizza essen gegangen, was Laura und mich so was von glücklich gemacht hat
Der anschließende Plan hier und da noch was zu trinken wurde aber schon beim ersten Cocktail zunichte gemacht, da man mir auch einfach blanken Tequila mit Eis verabreicht hat.. War aber letztendlich dann noch ein schöner Abend. Die Nacht war für uns auch wunderbar, Dani wohnt nämlich wunderschön (Blick über die ganze Stadt) und für uns, die wir im armen und lauten Süden wohnen, fast ein bisschen wie Urlaub – vor allem konnten wir mal ausschlafen, weil es einfach ruhig war…Luxus!!
Nächsten Abend waren wir dann auf eine Halloween Party einer Lehrerin, Liliana, eingeladen. Wir haben uns dann irgendwie auch ein Kostüm zusammengebastelt, da man bitte verkleidet kommen sollte (Bilder folgen noch!). Alles, um dort feststellen zu müssen, dass eigentlich kaum wer verkleidet war. Zum Glück waren wir eh nicht so kreativ und daher auch nicht mega verkleidet. Dort gab es dann abwechselnd Karaoke- und Tanzrunden. Solange gesungen wurde war noch alles wunderbar, wir haben zwar kein einziges Lied gekannt, aber was solls. Die Tanzrunden waren allerdings nicht so unser Geschmack. Hier wird grundsätzlich viel Paartanz getanzt und mal davon abgesehen, dass keine von uns Merengue oder Ähnliches tanzen kann (lässt sich mit permanentem Hinterngewackel allerdings gut improvisieren), fanden wir die ständigen Aufforderungen der Männer echt lästig. Man hier auch so was von entgeistert angeschaut, wenn man einfach Nein sagt. Das ist hier nämlich einfach so: Mann will tanzen, Frau hat zu tanzen! Seh ich aber ehrlich gesagt gar nicht ein!! Leider waren wir als Ausländer halt auch mal wieder die Attraktion des Abends und so wurden wir von einem Typ zum Nächsten zum Tanzen durchgereicht. Weiß gar nicht, wie oft wir uns wieder anhören durften wir schön denn unsere Augen sind und dass wir ja so toll groß sind. Nervt irgendwann nur noch!!
Letzte Woche waren an einem Vormittag einige Mönche zu Besuch in der Schule, um mit den Kindern der 3., 4. und 5. Klassen einige kleine Spiele zu machen. War echt ne tolle Sache, hat viel Spaß gemacht und die Kinder fanden das natürlich super! Die Spiele waren alle in Richtung Teamwork, Vertrauen usw. aufgebaut und für alle war das eine willkommene Abwechslung zum Schulalltag!


Quinto A mit Profe Caro, Mönch und mir
Erwähnenswert ist auch der Tierbesuch, den wir hatten. Vor einiger Zeit hatten wir mal festgestellt, dass eine Maus (wir hatten es zumindest vermutet) unser Mehl angefressen hatte. Die Schwestern haben uns dann Gift gegeben, das haben wir ausgelegt, aber nie sah es so aus, als ob etwas davon gefressen hätte. Als es nach einigen Tagen dann gewaltig das Stinken angefangen hat, war uns klar: Da liegt irgendwo was Totes! Dummerweise halt hinter der Küchenzeile, weshalb Männer aus dem Projekt kommen mussten, um die Schränke raus zu schrauben. Die sind auch fündig geworden. War allerdings dann keine Maus, sondern einfach mal eine eklige, fette Ratte! Nicht lecker, aber hier absolut normal…
Wer bisher alles gelesen hat: Sehr brav und freut mich! Jetzt kommen gleich wundertolle Bilder vom Wochenende!
Dieses Wochenende war ja wieder Puente – Brückentag. Sonntag haben wir uns mal in den hisorischen Stadtteil Bogotás, La Candelaria, aufgemacht. Vorher haben wir uns ein Haus mit großem Garten von Simon Bolívar angeschaut, wunderschön! Danach haben wir uns auf die Suche nach der Candelaria gemacht und nach einigem Hin und Her (hier ändert man anscheinend dauernd die Straßen- und Hausnummern) wurden wir dann auch fündig. Sieht wirklich nett dort aus, schöne, alte Häuser usw. Der alte Marktplatz hat uns allerdings etwas enttäuscht. An sich ein netter Fleck, nur was da für Leute rum hängen… Lauter Fertige, von denen man sich dann noch irgendwelche Kommentare anhören muss. Da haben wir uns nicht lang aufgehalten…

Laura, Baronin von Münchhausen....

Garten Simon Bolívar

La Candelaria

Mittag gabs dann mal wieder richtig landestypische Kost: Ajiaco. Das ist eine Art Kartoffelsuppe mit Hühnchen, zu der man Reis und Avocado serviert. Einfach und sehr lecker! Auch wenn’s auf dem Bild etwas seltsam aussieht

Montag war super! Wir waren in Naturpark Chicaque zum Wandern. Der Bus dahin ist leider mal wieder so was von unpünktlich losgefahren, dass wir fast schon geärgert haben, aber da steht man drüber. Dort war es jedenfalls wunderschön! Der Park trägt auch den Beinamen Cloud Forest und macht diesem alle Ehre. Man ist wirklich mitten in den Wolken und schaut dementsprechend die meiste Zeit ins Weiße
Total verrückt! Manchmal lockert es auf und man hat einen wahnnsinns Blick nach unten. Vom Eingang aus steigt man erst mal eine Ganze Weile ab in ein Tal, muss dann halt auch wieder hoch.. Uns hat das richtig gut getan mal wieder raus zu kommen, war zum Teil auch echt anstrengend, aber hat sich wirklich gelohnt!



Diese Woche helfen wir im Ernährungsprogramm mit. Es gibt hier in Kolumbien eine spezielle Zusatznahrung für Kinder, die von Organisationen und Einrichtungen an die Leute verteilt wird. Über das Gewicht und die Größe der Kinder wird regelmäßig Protokoll geführt. Diese Woche werden die ganzen Kinder, die von FISDECO diese Zusatznahrung erhaltten mal wieder gewogen und gemessen, um einen Überblick über die Verteilung zu haben und ob das Ganze den Kindern überhaupt verabreicht wird, usw. Was man da so mitbekommt ist teilweise schon echt hart. Da kommen junge Frauen, viele nicht älter als wir, meistens sogar jünger mit ihren Kindern… kein Schulabschluss, kein bekannter Vater, nichts. Viele haben ihr erstes Kind schon mit 14 bekommen, sind jetzt 20, so alt wie wir, und haben bereits 4 Kinder… Da treffen irgendwie schon Welten aufeinander.
So, das war diesmal viel zu lesen, ich weiß. Bin vorher nur leider wirklich nicht zum Schreiben gekommen!

Übrigens: Das war Bogotá noch um 1850... nett oder
Ich wünsch euch allen was, lasst es euch gut gehen!
Liebe Grüße
Sarah